Auf dem Areal der Rudolf Steiner Schule wird weiterhin gelernt

Artikel von Daniel Jung in den Schaffhauser Nachrichten vom 16. Juli 2015

Das vorläufige Aus der Rudolf-Steiner-Schule bedeutet kein Ende für die Bildung an der Vordersteig: Die Räumlichkeiten sind zum grössten Teil bereits vermietet.

Nach 36 Jahren wurde der Unterricht an der Rudolf Steiner Schule in Schaffhausen mit Abschluss des kürzlich beendeten Schuljahrs eingestellt. Grund dafür waren unter anderem die gesunkenen Schülerzahlen (die SN berichteten). Hatten einst über 250 Kinder und Jugendliche die Steiner Schule besucht, so reduzierte sich diese Zahl in den letzten Jahren auf rund 60.

Neue Plätze gefunden
Wie Hanspeter Kissling, Vorstandsmitglied im Trägerverein der Rudolf Steiner Schule, erklärte, konnte inzwischen für alle Schülerinnen und Schüler ein neuer Unterrichtsplatz gefundenwerden. Viele Schüler wechseln an Steiner Schulen in Winterthur, Kreuzlingen, Zürich oder Wahlwies (Deutschland). Andere treten in die öffentlichen Schulen ihrer Wohngemeinden über. Auch diejenigen Lehrer, die noch nicht im Pensionsalter sind, hätten neue Positionen gefunden, sagte Kissling. Nur eine Lehrperson sei derzeit noch auf Stellensuche.

Guter Abschluss des Schuljahrs
Zwar habe gegen Ende des Schuljahrs bereits ein Teil der Schülerschaft zu ihren neuen Institutionen gewechselt. «Es war uns aber wichtig, das Schuljahr noch regulär zu beenden», sagte Kissling. So wurden etwa in den letzten Schulwochen noch die üblichen Veranstaltungen und ein zweitägiger Ausflug in die Region Stuttgart durchgeführt. «Bei diesem gemeinsamen Ausflug war die Stimmung gut, obwohl der ganze Prozess natürlich auch schmerzhaft war», so Kissling. Mit der Schliessung sei natürlich auch verbunden, dass Schüler, die untereinander langjährige Freundschaften aufgebaut haben, nun auseinander gehen. Trotz dieser schwierigen Umstände sei es aber gelungen, das Schuljahr insgesamt positiv zu beenden. Aktuell werden die Räumlichkeiten an der Vordersteig für die Übergabe an die neuen Mieter vorbereitet. Ein Teil des Mobiliars wurde verkauft. Die Vermietung zugunsten von verschiedenen Zwischennutzungen soll es dem Trägerverein ermöglichen, die Liegenschaften weiterhin zu behalten – und so die Voraussetzungen für eine spätere Wiedereröffnung zu erhalten.

Neustart bleibt möglich
Verschiedentlich war in den letzten Monaten darüber diskutiert worden, trotz der schwierigen Situation ein reduziertes Angebot der Rudolf Steiner Schule fortzuführen. Das kam nun aber nicht zustande. «Zumindest für das nächste Schuljahr können wir vom Rudolf Steiner Schulverein keinen Unterricht anbieten», sagte Kissling. Die Mietverträge mit den neuen Nutzern seien jedoch befristet. «Sollte es eine Initiative für einen Neustart geben, könnten wir bereits im Sommer 2016 in ein neues Schuljahr starten.» In der Zwischenzeit beschränken sich die Aktivitäten des Vorstands hauptsächlich auf die Verwaltung der Liegenschaften. Man sei jedoch offen für neue Initiativen oder Kooperationen mit anderen Steiner Schulen, sagte Kissling.

Neue Nutzer
Gemäss Hanspeter Kissling, Finanzverantwortlicher im Vorstand des Trägervereins der Rudolf Steiner Schule, sind die vier Gebäude an der Vordersteig ab dem Sommer bereits zu mehr als 90 Prozent dauerhaft vermietet. Noch nicht ganz ausgelastet sein werden einzig die Küche und der Wintergarten, die bisher von der Rudolf Steiner Tagesschule genutzt wurden.

Für drei Jahre wird die Stadtrandschule des Vereins Atelier A in den Altbau der Rudolf Steiner Schule ziehen. An der Schule werden Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur neunten Klasse in einer Tagesstruktur unterrichtet. Die Kinder haben hier besonders die Möglichkeit, ihren Fähigkeiten gemäss zu lernen. Ab Oktober wird Atelier A auch das «Chalet» der Steiner Schule zu Wohnzwecken nutzen. Der Verein unterstützt daneben auch «sensible und komplizierte» Jugendliche bei ihrer Berufsausbildung.

Bereits in Räume der Steiner Schule eingezogen ist das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) Schaffhausen. Das SAH bietet künftig seine Deutsch- und Integrationskurse für erwachsene Ausländerinnen und Ausländer im Neubau auf dem Areal der Steiner Schule an. Dort stehen sieben Klassen- und ein Lehrerzimmer zur Verfügung. Während der Kurse wird im ehemaligen Kindergarten der Steiner Schule zusätzlich eine Kinderbetreuung angeboten. Das SAH bleibt aber weiterhin am Standort an der Repfergasse präsent, verlegt seine Ausbildungsaktivitäten jedoch an die Vordersteig.

Ein bereits langjähriger Mieter ist die Kinderkrippe Öpfelbaum: Die Krippe, die über 15 Plätze verfügt, wird unverändert weitergeführt: Es werden Kinder ab dem Alter von drei Monaten bis zum Schuleintritt betreut. Wie die Rudolf Steiner Schule orientiert sich der «Öpfelbaum» an der anthroposophischen Pädagogik – er ist aber ein eigenständiger Verein.

Das Kultur- und Bildungszentrum MIR betreibt künftig auf dem Areal der Steiner Schule eine russischsprachige Spielgruppe, die sich an russischsprachige und bilinguale Familien richtet. Kleinkinder und Vorschulkinder werden dort gemäss der Immersionsmethode («Eintauchen») auf Russisch betreut. Schulkinder erhalten bei MIR systematischen und spielerischen Sprachunterricht. Zudem bietet die Schule auch verschiedene Russischkurse für Erwachsene an.